Schwanengesang
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
| Diesem Text fehlt ein Scan oder ein Link auf einen im Netz vorhandenen Scan einer verlässlichen Quelle. Bitte hilf mit, einen Scan zu finden oder bereitzustellen. |
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] SCHWANENGESANG
[Bearbeiten] 1. Liebesbotschaft
Ludwig Rellstab
[471]
Rauschendes Bächlein,
So silbern und hell,
Eilst zur Geliebten
So munter und schnell?
Mein Bote sey Du;
Bringe die Grüße
Des Fernen ihr zu.
All’ ihre Blumen
Die sie so lieblich
Am Busen trägt,
Und ihre Rosen
In purpurner Gluth,
Mit kühlender Fluth.
Wenn sie am Ufer,
In Träume versenkt,
Meiner gedenkend
Tröste die Süße
Mit freundlichem Blick,
Denn der Geliebte
Kehrt bald zurück.
Mit röthlichem Schein,
Wiege das Liebchen
In Schlummer ein.
Rausche sie murmelnd
Flüstre ihr Träume
Der Liebe zu.
[Bearbeiten] 2. Kriegers Ahnung
Ludwig Rellstab
[472]
In tiefer Ruh liegt um mich her
Der Waffenbrüder Kreis;
Mir ist das Herz so bang und schwer,
Von Sehnsucht mir so heiß.
An ihrem Busen warm!
Wie freundlich schien des Heerdes Gluth,
Lag sie in meinem Arm!
Hier, wo der Flammen düstrer Schein
Hier fühlt die Brust sich ganz allein,
Der Wehmuth Thräne quillt.
Herz! Daß der Trost dich nicht verläßt!
Es ruft noch manche Schlacht. –
Herzliebste – Gute Nacht!
[Bearbeiten] 3. Frühlingssehnsucht
Ludwig Rellstab
[473]
Säuselnde Lüfte
Wehend so mild,
Blumiger Düfte
Athmend erfüllt!
Wie habt ihr dem pochenden Herzen gethan?
Es möchte euch folgen auf luftiger Bahn!
Wohin?
Bächlein, so munter
Wollen hinunter
silbern in’s Thal.
Die schwebende Welle, dort eilt sie dahin!
Tief spiegeln sich Fluren und Himmel darin.
Hinab?
Grüßender Sonne
spielendes Gold,
Hoffende Wonne
Wie labt mich Dein selig begrüßendes Bild!
Es lächelt am tiefblauen Himmel so mild
Und hat mir das Auge mit Thränen gefüllt! –
Warum?
Wälder und Höh’!
Schimmernd erglänzet
Blüthenschnee!
So dränget sich Alles zum bräutlichen Licht;
Sie haben gefunden was ihnen gebricht:
Und du?
[474] Rastloses Sehnen!
Wünschendes Herz,
Klage und Schmerz?
Auch ich bin mir schwellender Triebe bewußt!
Wer stillet mir endlich die drängende Lust?
Nur du befreiest den Lenz in der Brust,
[Bearbeiten] 4. Ständchen
Ludwig Rellstab
[474]
Leise flehen meine Lieder
Durch die Nacht zu Dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm’ zu mir!
In des Mondes Licht;
Des Verräthers feindlich Lauschen
Fürchte, Holde, nicht.
Hörst die Nachtigallen schlagen?
Mit der Töne süßen Klagen
Flehen sie für mich.
Sie verstehn des Busens Sehnen,
Kennen Liebesschmerz,
Jedes weiche Herz.
Laß auch Dir das Herz bewegen,
Liebchen, höre mich!
Bebend harr’ ich dir entgegen!
[Bearbeiten] 5. Aufenthalt
Ludwig Rellstab
[475]
Rauschender Strom,
Brausender Wald,
Starrender Fels
Mein Aufenthalt.
An Welle reiht,
Fließen die Thränen
Mir ewig erneut.
Hoch in den Kronen
So unaufhörlich
Mein Herze schlägt.
Und wie des Felsen
Uraltes Erz,
Bleibet mein Schmerz.
[Bearbeiten] 6. In der Ferne
Ludwig Rellstab
[475]
Wehe dem Fliehenden
Welt hinaus ziehenden! –
Fremde durchmessenden,
Heimath vergessenden,
Freunde verlassenden
Folget kein Segen, ach!
Auf ihren Wegen nach!
[476] Herze, das sehnende,
Sehnsucht, nie endende,
Heimwärts sich wendende!
Busen, der wallende,
Klage, verhallende,
Hoffnungslos sinkender!
Lüfte, ihr säuselnden,
Wellen sanft kräuselnden,
Sonnenstrahl, eilender,
Die mir mit Schmerze, ach!
Dies treue Herze brach –
Grüßt von dem Fliehenden,
Welt hinaus ziehenden!
[Bearbeiten] 7. Abschied
Ludwig Rellstab
[476]
Ade, Du muntre, Du fröhliche Stadt, Ade!
Schon scharret mein Rösslein mit lustigen Fuß;
Jetzt nimm meinen letzten, den scheidenden Gruß.
Du hast mich wohl nimmermehr traurig gesehn,
Ade...
Ade, Ihr Bäume, Ihr Gärten so grün, Ade!
Nun reit’ ich am silbernen Strome entlang,
Weit schallend ertönet mein Abschiedsgesang;
So wird Euch auch keines beim Scheiden beschert.
Ade...
Ade, Ihr freundlichen Mägdelein dort, Ade!
Was schaut Ihr aus blumenumduftetem Haus
Wie sonst, so grüß’ ich und schaue mich um,
Doch nimmer wend’ ich mein Rösselein um.
Ade...
[477] Ade, liebe Sonne, so gehst du zur Ruh’, Ade!
Wie bin ich Euch Sternlein am Himmel so hold;
Durchziehen die Welt wir auch weit und breit,
Ihr gebt überall uns das treue Geleit.
Ade...
Du glänzest so traulich mit dämmerndem Schein
Und ladest so freundlich ins Hüttchen uns ein.
Vorüber, ach, ritt ich so manches mal
Und wär’ es denn heute zum letzten mal?
Ade, Ihr Sterne, verhüllet Euch grau! Ade!
Des Fensterlein trübes, verschimmerndes Licht
Ersetzt Ihr unzähligen Sterne mir nicht;
Darf ich hier nicht weilen, muß hier vorbei,
Ade, Ihr Sterne, verhüllet Euch grau! Ade!
[Bearbeiten] 8. Der Atlas
Heinrich Heine
[160]
Ich unglücksel’ger Atlas! eine Welt,
Die ganze Welt der Schmerzen, muß ich tragen,
Ich trage Unerträgliches, und brechen
Will mir das Herz im Leibe.
Du wolltest glücklich sein, unendlich glücklich,
Oder unendlich elend, stolzes Herz,
Und jetzo bist du elend.
[Bearbeiten] 9. Ihr Bild
Heinrich Heine
[160]
Ich stand in dunkeln Träumen,
und starrte ihr Bildniß an,
und das geliebte Antlitz
Heimlich zu leben begann.
Ein Lächeln wunderbar,
Und wie von Wehmuthsthränen
Erglänzte ihr Augenpaar.
Auch meine Thränen flossen
Und ach, ich kann es nicht glauben,
Daß ich dich verloren hab’!
[Bearbeiten] 10. Das Fischermädchen
Heinrich Heine
[161]
Du schönes Fischermädchen,
Treibe den Kahn ans Land;
Komm zu mir und setze dich nieder,
Wir kosen Hand in Hand.
Und fürchte dich nicht zu sehr;
Vertraust du dich doch sorglos
Täglich dem wilden Meer.
Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
Und manche schöne Perle
In seiner Tiefe ruht.
[Bearbeiten] 11. Die Stadt
Heinrich Heine
[161]
Am fernen Horizonte
Erscheint, wie ein Nebelbild,
Die Stadt mit ihren Thürmen,
In Abenddämmrung gehüllt.
Die graue Wasserbahn;
Mit traurigem Takte rudert
Der Schiffer in meinem Kahn.
Die Sonne hebt sich noch einmal
Und zeigt mir jene Stelle,
Wo ich das Liebste verlor.
[Bearbeiten] 12. Am Meer
Heinrich Heine
[162]
Das Meer erglänzte weit hinaus
Im letzten Abendscheine;
Wir saßen am einsamen Fischerhaus,
Wir saßen stumm und alleine.
Die Möwe flog hin und wieder;
Aus deinen Augen liebevoll
Fielen die Thränen nieder.
Ich sah sie fallen auf deine Hand,
Ich hab von deiner weißen Hand
Die Thränen fortgetrunken.
Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,
Die Seele stirbt vor Sehnen; –
Vergiftet mit ihren Thränen.
[Bearbeiten] 13. Der Doppelgänger
Heinrich Heine
[162]
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.
Und ringt die Hände, vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe, –
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.
[163] Du Doppeltgänger, du bleicher Geselle!
Das mich gequält auf dieser Stelle,
So manche Nacht, in alter Zeit?
[Bearbeiten] 14. Die Taubenpost
Johann Gabriel Seidl
[662]
Ich hab’ eine Brieftaub in meinem Sold,
Die ist gar ergeben und treu,
Sie nimmt mir nie das Ziel zu kurz,
Und fliegt auch nie vorbei.
Auf Kundschaft täglich hinaus,
Vorbei an manchem lieben Ort,
Bis zu der Liebsten Haus.
Dort schaut sie zum Fenster heimlich hinein,
Gibt meine Grüße scherzend ab
Und nimmt die ihren mit.
Kein Briefchen brauch’ ich zu schreiben mehr,
Die Thräne selbst geb’ ich ihr;
Gar eifrig dient sie mir.
Bei Tag, bei Nacht, im Wachen und Traum,
Ihr gilt das alles gleich:
Wenn sie nur wandern, wandern kann,
Sie wird nicht müd’, sie wird nicht matt,
Der Weg ist stets ihr neu;
Sie braucht nicht Lockung, braucht nicht Lohn,
Die Taub’ ist so mir treu!
Versichert des schönsten Gewinns;
Sie heißt – die Sehnsucht! Kennt ihr sie? –
Die Botin treuen Sinns.
[Bearbeiten] Anmerkungen (Wikisource)
- zur Zusammenstellung und Reihenfolge der Lieder siehe: www.gopera.com
- Textvorlagen:
- Ludwig Rellstab: Gedichte von Ludwig Rellstab. Erstes Bändchen. Berlin bei Friedrich Laue 1827.
- Heinrich Heine: Buch der Lieder. Hamburg, bei Hoffmann & Campe, 1827.
- Joh. Gabr. Seidl's gesammelte Schriften. Mit einer Einleitung von Julius von der Traun, Hg. Hans Max. Wien: Braunmüller 1877.


