Schwanengesang

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Textdaten
Autor: Ludwig Rellstab
Heinrich Heine
Johann Gabriel Seidl
Titel: Schwanengesang
Untertitel:
aus: diverse (siehe Anmerkung)
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag:
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Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Franz Schubert: Die Texte seiner einstimmig komponierten Lieder und ihre Dichter. Hg. Maximilian und Lilli Schochow. Bd. I und II, Georg Olms Verlag Hildesheim - New York 1974. S. 159-163 (Heine), S. 468-477 (Rellstab), S. 662 (Seidl).
Kurzbeschreibung: Liederzyklus von Franz Schubert
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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] SCHWANENGESANG

[Bearbeiten] 1. Liebesbotschaft

Ludwig Rellstab

[471]
Rauschendes Bächlein,
So silbern und hell,
Eilst zur Geliebten
So munter und schnell?

5
Ach, trautes Bächlein,

Mein Bote sey Du;
Bringe die Grüße
Des Fernen ihr zu.
     
All’ ihre Blumen

10
Im Garten gepflegt,

Die sie so lieblich
Am Busen trägt,
Und ihre Rosen
In purpurner Gluth,

15
Bächlein, erquicke

Mit kühlender Fluth.
     
Wenn sie am Ufer,
In Träume versenkt,
Meiner gedenkend

20
Das Köpfchen hängt;

Tröste die Süße
Mit freundlichem Blick,
Denn der Geliebte
Kehrt bald zurück.
     

25
[472] Neigt sich die Sonne

Mit röthlichem Schein,
Wiege das Liebchen
In Schlummer ein.
Rausche sie murmelnd

30
In süße Ruh,

Flüstre ihr Träume
Der Liebe zu.

[Bearbeiten] 2. Kriegers Ahnung

Ludwig Rellstab

[472]
In tiefer Ruh liegt um mich her
Der Waffenbrüder Kreis;
Mir ist das Herz so bang und schwer,
Von Sehnsucht mir so heiß.
 

5
Wie hab ich oft so süß geruht

An ihrem Busen warm!
Wie freundlich schien des Heerdes Gluth,
Lag sie in meinem Arm!
 
Hier, wo der Flammen düstrer Schein

10
Ach! nur auf Waffen spielt,

Hier fühlt die Brust sich ganz allein,
Der Wehmuth Thräne quillt.
 
Herz! Daß der Trost dich nicht verläßt!
Es ruft noch manche Schlacht. –

15
Bald ruh’ ich wohl und schlafe fest,

Herzliebste – Gute Nacht!

[Bearbeiten] 3. Frühlingssehnsucht

Ludwig Rellstab

[473]
Säuselnde Lüfte
Wehend so mild,
Blumiger Düfte
Athmend erfüllt!

5
Wie haucht ihr mich wonnig begrüßend an!

Wie habt ihr dem pochenden Herzen gethan?
Es möchte euch folgen auf luftiger Bahn!
Wohin?
 
Bächlein, so munter

10
rauschend zumal,

Wollen hinunter
silbern in’s Thal.
Die schwebende Welle, dort eilt sie dahin!
Tief spiegeln sich Fluren und Himmel darin.

15
Was ziehst Du mich, sehnend verlangender Sinn,

Hinab?
 
Grüßender Sonne
spielendes Gold,
Hoffende Wonne

20
bringest du hold.

Wie labt mich Dein selig begrüßendes Bild!
Es lächelt am tiefblauen Himmel so mild
Und hat mir das Auge mit Thränen gefüllt! –
Warum?
 

25
Grünend umkränzet

Wälder und Höh’!
Schimmernd erglänzet
Blüthenschnee!
So dränget sich Alles zum bräutlichen Licht;

30
Es schwellen die Keime, die Knospe bricht;

Sie haben gefunden was ihnen gebricht:
Und du?
 
[474] Rastloses Sehnen!
Wünschendes Herz,

35
Immer nur Thränen,

Klage und Schmerz?
Auch ich bin mir schwellender Triebe bewußt!
Wer stillet mir endlich die drängende Lust?
Nur du befreiest den Lenz in der Brust,

40
Nur du!

[Bearbeiten] 4. Ständchen

Ludwig Rellstab

[474]
Leise flehen meine Lieder
Durch die Nacht zu Dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm’ zu mir!
 

5
Flüsternd schlanke Wipfel rauschen

In des Mondes Licht;
Des Verräthers feindlich Lauschen
Fürchte, Holde, nicht.
 
Hörst die Nachtigallen schlagen?

10
Ach! sie flehen Dich,

Mit der Töne süßen Klagen
Flehen sie für mich.
 
Sie verstehn des Busens Sehnen,
Kennen Liebesschmerz,

15
Rühren mit den Silbertönen

Jedes weiche Herz.
 
Laß auch Dir das Herz bewegen,
Liebchen, höre mich!
Bebend harr’ ich dir entgegen!

20
Komm’, beglücke mich!

[Bearbeiten] 5. Aufenthalt

Ludwig Rellstab

[475]
Rauschender Strom,
Brausender Wald,
Starrender Fels
Mein Aufenthalt.
 

5
Wie sich die Welle

An Welle reiht,
Fließen die Thränen
Mir ewig erneut.
 
Hoch in den Kronen

10
Wogend sich’s regt,

So unaufhörlich
Mein Herze schlägt.
 
Und wie des Felsen
Uraltes Erz,

15
Ewig derselbe

Bleibet mein Schmerz.

[Bearbeiten] 6. In der Ferne

Ludwig Rellstab

[475]
Wehe dem Fliehenden
Welt hinaus ziehenden! –
Fremde durchmessenden,
Heimath vergessenden,

5
Mutterhaus hassenden,

Freunde verlassenden
Folget kein Segen, ach!
Auf ihren Wegen nach!
 
[476] Herze, das sehnende,

10
Auge, das thränende,

Sehnsucht, nie endende,
Heimwärts sich wendende!
Busen, der wallende,
Klage, verhallende,

15
Abendstern, blinkender,

Hoffnungslos sinkender!
 
Lüfte, ihr säuselnden,
Wellen sanft kräuselnden,
Sonnenstrahl, eilender,

20
Nirgend verweilender:

Die mir mit Schmerze, ach!
Dies treue Herze brach –
Grüßt von dem Fliehenden,
Welt hinaus ziehenden!

[Bearbeiten] 7. Abschied

Ludwig Rellstab

[476]
Ade, Du muntre, Du fröhliche Stadt, Ade!
Schon scharret mein Rösslein mit lustigen Fuß;
Jetzt nimm meinen letzten, den scheidenden Gruß.
Du hast mich wohl nimmermehr traurig gesehn,

5
So kann es auch jetzt nicht beim Abschied geschehn.

Ade...
 
Ade, Ihr Bäume, Ihr Gärten so grün, Ade!
Nun reit’ ich am silbernen Strome entlang,
Weit schallend ertönet mein Abschiedsgesang;

10
Nie habt Ihr ein klagendes Lied gehört,

So wird Euch auch keines beim Scheiden beschert.
Ade...
 
Ade, Ihr freundlichen Mägdelein dort, Ade!
Was schaut Ihr aus blumenumduftetem Haus

15
Mit schelmischen, lockenden Blicken heraus?

Wie sonst, so grüß’ ich und schaue mich um,
Doch nimmer wend’ ich mein Rösselein um.
Ade...
 
[477] Ade, liebe Sonne, so gehst du zur Ruh’, Ade!

20
Nun schimmert der blinkenden Sterne Gold.

Wie bin ich Euch Sternlein am Himmel so hold;
Durchziehen die Welt wir auch weit und breit,
Ihr gebt überall uns das treue Geleit.
Ade...
 

25
Ade, Du schimmerndes Fensterlein hell, Ade!

Du glänzest so traulich mit dämmerndem Schein
Und ladest so freundlich ins Hüttchen uns ein.
Vorüber, ach, ritt ich so manches mal
Und wär’ es denn heute zum letzten mal?

30
Ade...

 
Ade, Ihr Sterne, verhüllet Euch grau! Ade!
Des Fensterlein trübes, verschimmerndes Licht
Ersetzt Ihr unzähligen Sterne mir nicht;
Darf ich hier nicht weilen, muß hier vorbei,

35
Was hilft es mir, folgt ihr mir noch so treu!

Ade, Ihr Sterne, verhüllet Euch grau! Ade!

[Bearbeiten] 8. Der Atlas

Heinrich Heine

[160]
Ich unglücksel’ger Atlas! eine Welt,
Die ganze Welt der Schmerzen, muß ich tragen,
Ich trage Unerträgliches, und brechen
Will mir das Herz im Leibe.
 

5
Du stolzes Herz, du hast es ja gewollt!

Du wolltest glücklich sein, unendlich glücklich,
Oder unendlich elend, stolzes Herz,
Und jetzo bist du elend.

[Bearbeiten] 9. Ihr Bild

Heinrich Heine

[160]
Ich stand in dunkeln Träumen,
und starrte ihr Bildniß an,
und das geliebte Antlitz
Heimlich zu leben begann.

5
Um ihre Lippen zog sich

Ein Lächeln wunderbar,
Und wie von Wehmuthsthränen
Erglänzte ihr Augenpaar.

Auch meine Thränen flossen

10
Mir von den Wangen herab –

Und ach, ich kann es nicht glauben,
Daß ich dich verloren hab’!

[Bearbeiten] 10. Das Fischermädchen

Heinrich Heine

[161]
Du schönes Fischermädchen,
Treibe den Kahn ans Land;
Komm zu mir und setze dich nieder,
Wir kosen Hand in Hand.
 

5
Leg an mein Herz dein Köpfchen,

Und fürchte dich nicht zu sehr;
Vertraust du dich doch sorglos
Täglich dem wilden Meer.
 
Mein Herz gleicht ganz dem Meere,

10
Hat Sturm und Ebb’ und Fluth,

Und manche schöne Perle
In seiner Tiefe ruht.

[Bearbeiten] 11. Die Stadt

Heinrich Heine

[161]
Am fernen Horizonte
Erscheint, wie ein Nebelbild,
Die Stadt mit ihren Thürmen,
In Abenddämmrung gehüllt.
 

5
Ein feuchter Windzug kräuselt

Die graue Wasserbahn;
Mit traurigem Takte rudert
Der Schiffer in meinem Kahn.
 
Die Sonne hebt sich noch einmal

10
Leuchtend vom Boden empor

Und zeigt mir jene Stelle,
Wo ich das Liebste verlor.

[Bearbeiten] 12. Am Meer

Heinrich Heine

[162]
Das Meer erglänzte weit hinaus
Im letzten Abendscheine;
Wir saßen am einsamen Fischerhaus,
Wir saßen stumm und alleine.
 

5
Der Nebel stieg, das Wasser schwoll,

Die Möwe flog hin und wieder;
Aus deinen Augen liebevoll
Fielen die Thränen nieder.
 
Ich sah sie fallen auf deine Hand,

10
Und bin aufs Knie gesunken;

Ich hab von deiner weißen Hand
Die Thränen fortgetrunken.
 
Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,
Die Seele stirbt vor Sehnen; –

15
Mich hat das unglücksel’ge Weib

Vergiftet mit ihren Thränen.

[Bearbeiten] 13. Der Doppelgänger

Heinrich Heine

[162]
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.
 

5
Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe,

Und ringt die Hände, vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe, –
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.
 
[163] Du Doppeltgänger, du bleicher Geselle!

10
Was äffst du nach mein Liebesleid,

Das mich gequält auf dieser Stelle,
So manche Nacht, in alter Zeit?

[Bearbeiten] 14. Die Taubenpost

Johann Gabriel Seidl

[662]
Ich hab’ eine Brieftaub in meinem Sold,
Die ist gar ergeben und treu,
Sie nimmt mir nie das Ziel zu kurz,
Und fliegt auch nie vorbei.

5
Ich sende sie viel tausendmal

Auf Kundschaft täglich hinaus,
Vorbei an manchem lieben Ort,
Bis zu der Liebsten Haus.

Dort schaut sie zum Fenster heimlich hinein,

10
Belauscht ihren Blick und Schritt,

Gibt meine Grüße scherzend ab
Und nimmt die ihren mit.

Kein Briefchen brauch’ ich zu schreiben mehr,
Die Thräne selbst geb’ ich ihr;

15
O sie verträgt sie sicher nicht,

Gar eifrig dient sie mir.

Bei Tag, bei Nacht, im Wachen und Traum,
Ihr gilt das alles gleich:
Wenn sie nur wandern, wandern kann,

20
Dann ist sie überreich!


Sie wird nicht müd’, sie wird nicht matt,
Der Weg ist stets ihr neu;
Sie braucht nicht Lockung, braucht nicht Lohn,
Die Taub’ ist so mir treu!

25
Drum heg’ ich sie auch so treu an der Brust,

Versichert des schönsten Gewinns;
Sie heißt – die Sehnsucht! Kennt ihr sie? –
Die Botin treuen Sinns.

[Bearbeiten] Anmerkungen (Wikisource)

  • zur Zusammenstellung und Reihenfolge der Lieder siehe: www.gopera.com
  • Textvorlagen:
    • Ludwig Rellstab: Gedichte von Ludwig Rellstab. Erstes Bändchen. Berlin bei Friedrich Laue 1827.
    • Heinrich Heine: Buch der Lieder. Hamburg, bei Hoffmann & Campe, 1827.
    • Joh. Gabr. Seidl's gesammelte Schriften. Mit einer Einleitung von Julius von der Traun, Hg. Hans Max. Wien: Braunmüller 1877.
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