Page:Wittengenstein - Tractatus Logico-Philosophicus, 1922.djvu/160

From Wikisource
Jump to navigation Jump to search
This page does not need to be proofread.


LOGISCH-PHILOSOPHISCHE ABHANDLUNG

wiirdige Tatsache, dass jeder Satz eine dieser Eigenschaften besitzt. Das scheint nun nichts wenigerals selbstverstandlich zu sein, ebensowenig selbstverstandlich, wie etwa der Satz, „alle Rosen sind entweder gelb oder rot" klange, auch wenn er wahr ware. Ja, jener Satz bekommt nun ganz den Charakter eines naturwissenschaftlichen Satzes und dies ist das sichere Anzeichen dafiir, dass er falsch aufgefasst wurde.

6. 112 Die richtige Erklarung der logischen Satze muss ihnen eine einzigartige Stellung unter alien Satzen geben.

6. 113 Es ist das besondere Merkmal der logischen Satze, dass man am Symbol allein erkennen kann, dass sie wahr sind, und diese Tatsache schliesst die ganze Philosophie der Logik in sich. Und so ist es auch eine der wichtigsten Tatsachen, dass sich die Wahrheit oder Falschheit der nicht- logischen Satze n i c h t am Satz allein erkennen lasst.

6.12 Dass die Satze der Logik Tautologien sind,

das zeigt die formalen — logischen — Eigen- schaften der Sprache, der Welt.

Dass ihre Bestandteile so verkniipft eineTauto- logie ergeben, das charakterisiert die Logik ihrer Bestandteile.

Damit Satze, auf bestimmte Art und Weise verkniipft, eine Tautologie ergeben, dazu miissen sie bestimmte Eigenschaften der Struktur haben. Dass sie so verbunden eine Tautologie ergeben, zeigt also, dass sie diese Eigenschaften der Struktur besitzen.

6.1201 Dass z. B. die Satze „p" und „ '^ p" in der Verbindung „ -* (p . ^ p)" eine Tautologie ergeben, zeigt, dass sie einander widersprechen. Dass die Satze „pDq", „p" und „q" in der Form ,,(pDq) . (p) : 3 : (q)" miteinander verbunden eine Tautologie ergeben, zeigt, dass q aus p und pDq