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Andrew Lang: Folklorist and Critic.

Wie die menschliche Psyche nun einmal ist, wird niemand es ändern können, dass man die Fehler anderer und besonders die Fehler seiner Gegner schneller und besser erfasst, als die eigenen Oder die eines Freundes. Man kann deshalb fast sagen, dass die wissenschaftliche Richtung, die keine Gegner mehr hat, sich in grosser Gefahr befindet, und wer ein aufrichtiges wissenschaftliches Strehen hat, wird deshalb über das Bestehen einer Gegnerschaft direkt froh sein. Ich selbst muss bekennen, dass ich, einen Fall ausgenommen, stets aus der Kritik meiner Gegner mehr Nutzen gezogen habe als aus der meiner Freunde. Ich fürchte, dass hier auch Andrew Lang dem allgemeinen menschlichen Schicksal nicht entgangen ist, und dass sein Wohlwollen gegen mich der Kritik, die er an meiner "Origine de l'Idée de Dieu" übte, viel von ihrer Eindringlichkeit und damit natürlich auch von ihrer Nützlichkeit genommen hat.

Dagegen war Andrew Lang stets ein schönes Vorbild in seiner unentwegten Loyalität auch gegen seine Gegner; die Art und Weise, wie er seine Kontroverse mit Howitt über den Gang der Entwicklung der australischen Soziologie führte, ist eines von den vielen Beispielen dafür. Und hier, glaube ich, ist ihm englische Art und Sitte zu Hülfe gekommen. "I doubt if he has ever played a fair game in cricket or football," schrieb er mir einmal über jemand, bei dem es ihm schwer wurde, einen allseitig guten Willen anzunehmen. Er selbst hielt stets darauf "to play a fair game".

So steht Andrew Lang vor uns, als einer, der drei ethnologische Perioden, die philologische, die anthropologische und die kulturhistorische, erlebt hat. Allen mit der feinfühligen Sensibilität wie mit der natürlichen Loyalität seines Wesens sich hingebend, aber doch von keiner sich blind beherrschen lassend, konnte er deshalb ein Pfadfinder für andere sein, wenn er selbst auch nicht in das gelobte Land der vollen Wahrheit eingehen konnte. Aber er strebte der Wahrheit nach, und wo er sie gefunden zu haben glaubte, da war er ihr ein wackerer Ritter Bayard sans peur et sans reproche.