Page:Wittgenstein - Tractatus Logico-Philosophicus, 1922.djvu/132

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LOGISCH-PHILOSOPHISCHE ABHANDLUNG

nichts, weil es keine Eigenschaft gibt, die „identisch" heisst. Der Satz ist unsinnig, weil wir eine willkiirliche Bestimmung nicht getrofFen haben, aber nicht darum, weil das Symbol an und fiir sich unerlaubt ware.)

Wir konnen uns, in gewissem Sinne, nicht in der Logik irren.

5.4731 Das Einleuchten, von dem Russell so viel sprach, kann nur dadurch in der Logik entbehrlich werden, dass die Sprache selbst jeden logischen Fehler verhindert. — Dass die Logik a priori ist, besteht darin, dass nicht unlogisch gedacht werden kan n.

5.4732 Wir konnen einem Zeichen nicht den unrechten Sinn geben.

5.47321 Occams Devise ist naturlich keine willkiirliche, oder durch ihren praktischen Erfolggerechtfertigte, Regel : Sie besagt, dass unnotige Zeichenein- heiten nichts bedeuten.

Zeichen, die Einen Zweck erfiillen, sind logisch aquivalent, Zeichen, die keinen Zweck erfiillen, logisch bedeutungslos. 5*4733 Frege sagt: Jeder rechtmassig gebildete Satz muss einen Sinn haben; und ich sage: Jeder mogliche Satz ist rechtmassig gebildet, und wenn er keinen Sinn hat, so kann das nurdaran liegen, dass wir einigen seiner Bestandteile keine Bedeutung gegeben haben.

(Wenn wir auch glauben, es getan zu haben.) So sagt ,,Sokrates ist identisch" darum nichts, weil wir dem Wort „identisch" als E i gen sc hafts- wort keine Bedeutung gegeben haben. Denn, wenn es als Gleichheitszeichen auftritt, so sym- bolisiert es auf ganz andere Art und Weise — die bezeichnende Beziehung ist eine andere, — also ist auch das Symbol in beiden Fallen ganz verschieden ; die beiden Symbole haben nur das Zeichen zufallig miteinander gemein.

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